Pferdegestütztes Coaching

Wie aus einem pferdegestützten Einzelcoaching für Kinder eine Familienangelegenheit wird

Wie man ein Durcheinander ordnet - ein Familiencoaching Teil 1

„Das ist ein ganz schönes Durcheinander, was kann ich tun?“


Normalerweise stelle ich mehr Fragen als meine Coachees. Hier kam mir der Vater von zwei Töchter (4 Jahre und 6 Jahre) zuvor und bat mich so um Hilfe.


Wie kam es zu der Situation und was war das für ein Durcheinander?


Da ich zurzeit, bedingt durch die Covid 19 Lage nur noch Einzelcoachings mache, biete ich diese auch mit Begleitung an. Dies schließt eine Person aus demselben Haushalt mit ein. Angemeldet waren die zwei Mädchen, nenne wir sie Anna und Laura, zu einem Pferdegestützten Coaching.


Am Tor begrüßte ich sie mit ihrem Vater Paul. Die Mädchen taten sich sehr schwer, ihren Papa gehen zu lassen und äußerten sich deutlich, dass sie lieber in eine Gruppe mit anderen Kindern möchten.
Die Mini-Workshops kannten beide schon und haben sie mit Begeisterung besucht.
Das Einzelcoaching hatte die Mutter gebucht, um den Zwei einen Ersatz für die abgesagten Workshops zu schaffen und ihnen etwas Gutes zu tun.

Aber das konnten Anna und Laura nicht wirklich schätzen und ihre Vorfreude tendierte unter null.

Kurzerhand lud ich Paul ein, mitzumachen. Er reagierte sehr begeistert und offen da er bereits beruflich mit Pferden zu tun hatte. Allerdings war dies nicht im direkten Umgang, sondern bedingt durch seine Tätigkeit als Manager eines Unternehmens.

Das Familiencoaching konnte beginnen. Spontan entschied ich mich gegen die Mini Shetty und holte Trixie eine zehnjährige Vollblutstute aus dem Stall.
Sie ist sehr fein und achtet auf die kleinen und großen Menschen gleichermaßen. Ein Parcours wurde aufgebaut und die zwei Schwestern durften ihrem Papa, die Übungen vormachen. Letztendlich waren sie bereits „alte Hasen“, was die Coaching Übungen auf dem Platz anging.

Übrigens arbeite ich seit der Covid 19 Problematik bei Kindern und unerfahrenen Menschen mit einem durchhängenden Führseil auf der anderen Seite des Pferdes mit, beziehungsweise kann ich jederzeit eingreifen, ohne unseren Mindestabstand verändern zu müssen.

Die von den Mädchen gemeinsam vorgemachten Übungen durfte der Vater nun nachmachen. Trixie ging erst brav mit, bis es bedingt durch einen Slalom zu einer Änderung der Richtung kam.
Kein gutes Zureden, keine Aufforderungen durch Impulse am Seil, kein wiederholtes Anlaufen und weitern gut gemeinten Aktionen, half.

So, nun steht der Papa da und braucht Hilfe. Selbstverständlich hatte ich schon Fragen parat, um ihm auf seine Potentiale und Ressourcen zugreifen zu lassen. Aber warum ich?
Die zwei Mädels waren ja auch noch da und absolut bereit, ihren Vater zu unterstützen.
„Papa, du musst doch erst selber wissen, wo du hinmöchtest, sonst verwirrst Du die Trixie“, so die sechsjährige Anna.
Die kleine Laura holte unaufgefordert eine Pylone und stellte sie mit etwas Abstand hinter die Reihe der Slalom Pylonen. „Papa, schau jetzt auf das blaue Hütchen (das von Laura aufgestellte) und sag der Trixie, dass es du da hinwillst. Dann läuft sie Schlagen Lienen mit dir.

Paul nahm sich den Vorschlag seiner Töchter zu Herzen und setzte es genau so um, wie sie ihm geraten hatte.

Trixie nahm die Mitarbeit sofort auf und ab da lief alles wie am Schnürchen. Da es eigentlich ein einstündiges Coaching für Kinder war, beschloss ich den Fokus auf das Erfahren und nicht auf die Reflexion zu legen.

Also wurde ein Familienparcous von mir aufgebaut und die drei begannen umgehend und hochmotiviert, nachdem ich ihnen den Parcours erklärt hatte.

Die sechsjährige Anna übernahm direkt die Führung, von Pferd, Papa und Schwester.
Die Überforderung dieser Situation war sowohl Trixie als auch dem Rest der Familien schnell anzumerken und es funktionierte gar nichts mehr. Trixie zog die Reißleine und verweigerte die Zusammenarbeit mit dem kleinen Team, während die zwei Mädchen sich selbständig machten und ohne Pferd und Papa in dem Parcours rumzuturnen begannen.


„Das ist ein ganz schönes Durcheinander, was kann ich tun?“


Diese Frage stellt mir der Vater mit einem schon etwas verzweifelten Gesichtsausdruck. Gute Ratschläge und Erziehungsweisheiten gibt es in einem Coaching mit Pferden nicht.
Deshalb bot ich ihm an, die Spiellaune der Mädchen zu nutzen und eine Übung mit ihm allein und Trixie zu machen. Was war das Thema? Führung.
Wie kann Paul in solcher Situation die Führung übernehmen? Ab wann fällt es sogar in seinen Verantwortungsbereich, seine Kinder durch die Abnahme der Führung zu entlasten?
Wie solche Übungen aussehen, mit welchen Fragen und Impulsen sie begleitet werden können, verrate ich in einem der folgenden Artikel.

Abschließend wurden Anna und Laura noch einmal in die Familienübung eingebunden. Paul erklärte, wie sein Vorhaben aussah, wie er die Rollen verteilten möchte und bekam das Einverständnis seiner Töchter.
Los ging es und es war nicht überraschend, dass alles wie am Schnürchen lief, beziehungsweise die Trixie 😉

Ich freue mich sehr, dass sich aus einem Coaching für Kinder eine Familie gefunden hat, die ich demnächst mit Mama, zu einem dreistündigen Familiencoaching begrüßen darf.

Wenn Du mehr über die Arbeit mit Pferden erfahren magst, dann melde Dich gerne bei mir.

Jutta 0172 3729298




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